Kurz gesagt: Die EU will Hofübergaben erleichtern und jungen Landwirten den Einstieg finanziell stärker absichern. Die wichtigsten Instrumente sind aber Vorschläge für die nächste Förderperiode ab 2028 und werden derzeit verhandelt. Wer heute übergeben oder übernehmen will, sollte deshalb nicht auf Brüssel warten, sondern die Übergabe jetzt vorbereiten und die neuen Programme im Blick behalten.

Warum die EU handelt

Das Durchschnittsalter der Landwirte in der EU liegt bei 57 Jahren, nur 12 Prozent sind jünger als 40. In Deutschland hatten bei der letzten Landwirtschaftszählung von rund 110.000 landwirtschaftlichen Einzelunternehmen mit Inhabern ab 55 Jahren etwa zwei Drittel keine gesicherte Nachfolge.

Die Gründe kennt jeder, der mit Höfen zu tun hat: Land ist teuer und knapp, die Finanzierung einer Übernahme ist hoch, die Einkommen halten mit anderen Branchen oft nicht mit, und die Bürokratie schreckt junge Menschen ab. Am 21. Oktober 2025 hat die EU-Kommission deshalb eine eigene Strategie für den Generationswechsel vorgelegt.

Was die Strategie vorsieht und wie verbindlich es ist

Maßnahmen der EU-Strategie für den Generationswechsel und ihr Stand im Oktober 2026
MaßnahmeStand
Starterpaket für junge Landwirte mit einem Pauschalbetrag von bis zu 300.000 Euro für die NiederlassungVorgeschlagen für die GAP 2028 bis 2034. Ob Zuschuss oder Darlehen, ist noch offen.
Mindestens 6 Prozent der Agrarausgaben für den GenerationswechselEmpfehlung an die Mitgliedstaaten, nicht verbindlich
Nationale Strategien zum GenerationswechselSollen bis 2028 vorliegen
Garantien und Zinszuschüsse gemeinsam mit der Europäischen InvestitionsbankAngekündigt
Europäische Bodenbeobachtungsstelle für mehr Transparenz am BodenmarktAngekündigt
Keine Agrargelder mehr für Landwirte im Rentenalter, um Übergaben zu beschleunigenLinie der Kommission, im Europäischen Parlament umstritten

Dazu kommen kleinere Bausteine, etwa Austauschprogramme für junge Landwirte nach dem Vorbild von Erasmus und Betriebshilfe bei Krankheit, Urlaub oder Pflege. Gerade Letzteres ist für viele junge Menschen entscheidend: Kann ich als Landwirt überhaupt einmal ausfallen, ohne dass der Betrieb stillsteht?

Was das für abgebende Betriebsleiter bedeutet

Die Richtung ist klar: Die EU möchte, dass im Rentenalter übergeben wird, und sie macht die Übernahme für junge Leute attraktiver. Für Sie heißt das vor allem, früh anzufangen. Planen Sie mindestens drei, besser fünf Jahre für die Übergabe ein. In dieser Zeit sollten Sie:

  • die Rollen zwischen den Generationen klären, also wer wann welche Entscheidungen trifft,
  • Altersvorsorge, Altenteil und Wohnrecht regeln,
  • das Wissen über Flächen, Tiere, Verträge und Partner strukturiert weitergeben,
  • prüfen, welche Förderungen für Ihren Nachfolger infrage kommen und wann sie beantragt werden müssen.

All das braucht Zeit und Raum für die schwierigen Gespräche, die zu jeder Übergabe gehören. Wie solche Gespräche gelingen, zeigt unser Fallbeispiel aus Nordrhein-Westfalen.

Was das für Junglandwirte bedeutet

Schon heute gibt es Unterstützung, und mit der neuen Förderperiode könnte sie deutlich wachsen. Ein Rechenbeispiel für einen Betrieb mit 80 Hektar:

Mögliche Förderungen für Junglandwirte am Beispiel eines Betriebs mit 80 Hektar
FörderungStandBetrag
Einkommensstützung für Junglandwirte (rund 134 € je Hektar, bis 120 Hektar, 5 Jahre)Läuft in der aktuellen GAP bis 2027rund 53.600 €
Existenzgründungsförderung der Länder, z. B. NiedersachsenJe nach Bundesland70.000 bis 100.000 €
Starterpaket der EUVorgeschlagen ab 2028bis 300.000 €

Ob und wie sich diese Programme kombinieren lassen, hängt von den jeweiligen Förderregeln ab. In der Regel gilt: Sie müssen jünger als 40 Jahre sein, eine berufliche Qualifikation nachweisen und ein überzeugendes Betriebskonzept vorlegen. Genau am Betriebskonzept scheitern viele Anträge. Es lohnt sich, daran früh und gründlich zu arbeiten.

Wenn es keinen Nachfolger in der Familie gibt

Die Strategie will auch die außerfamiliäre Hofübergabe erleichtern, etwa über Pacht, Leibrente oder Plattformen wie hofsuchtbauer.de. Was auf dem Papier einfach klingt, ist in der Praxis anspruchsvoll. Es geht nicht nur um Zahlen und Verträge, sondern um Vertrauen und um die Frage: Wem vertraue ich mein Lebenswerk an? Eine schrittweise Übergabe mit klaren Vereinbarungen gibt beiden Seiten Sicherheit.

Was die Strategie offen lässt

  • Das Geld: Der Deutsche Bauernverband hält das Budget für zu knapp, weil der Agrarhaushalt insgesamt sinkt.
  • Die Verbindlichkeit: Die 6 Prozent sind eine Empfehlung. Ob Deutschland sie umsetzt, entscheidet sich in der nationalen Ausgestaltung.
  • Die Bürokratie: Neue Programme bedeuten neue Anträge und Nachweise. Von Landwirten hören wir oft: Die Förderung mag gut sein, aber der Aufwand lohnt sich kaum.
  • Der Bodenmarkt: Kritiker warnen, dass hohe Starthilfen die Pacht- und Kaufpreise weiter steigen lassen könnten.

Was Sie jetzt tun können

  1. Klären, ob und wann übergeben werden soll und wer infrage kommt, auch außerhalb der Familie.
  2. Prüfen, ob für Ihren Hof die Höfeordnung gilt. Davon hängt viel für die Abfindung der Geschwister ab.
  3. Ein erstes Gespräch zwischen den Generationen führen, gern mit neutraler Moderation.
  4. Mit dem Nachfolger an einem tragfähigen Betriebskonzept arbeiten.
  5. Förderprogramme von Bund, Land und EU im Blick behalten und Fristen notieren.

Häufige Fragen

Wann kommt das Starterpaket von bis zu 300.000 Euro?

Frühestens mit der nächsten Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2028. Stand Oktober 2026 ist es ein Vorschlag der EU-Kommission, der noch verhandelt wird. Auch ob es als Zuschuss oder Darlehen kommt, ist offen.

Bekommen Landwirte im Rentenalter künftig keine Direktzahlungen mehr?

Die EU-Kommission möchte Agrargelder auf aktive, nicht im Ruhestand befindliche Landwirte konzentrieren, um Übergaben zu beschleunigen. Im Europäischen Parlament ist das umstritten. Was am Ende gilt, entscheidet sich in den laufenden Verhandlungen zur Agrarpolitik ab 2028.

Wer gilt als Junglandwirt?

In der EU-Agrarförderung in der Regel, wer höchstens 40 Jahre alt ist, eine landwirtschaftliche Qualifikation nachweist und erstmals einen Betrieb als Leiter übernimmt oder gründet. Die genauen Voraussetzungen legen die jeweiligen Programme fest.

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Quellen und weiterführende Informationen

Wie wir Hofübergaben begleiten, lesen Sie auf der Seite Hofnachfolge.